Das Rotwild

Das Rotwild wird wegen seiner stattlichen Statur gern "König der Wälder" genannt, was nicht nur auf seine Größe, sondern wohl auch auf die imposanten Geweihstangen des Hirsches zurückzuführen ist. Dieses Geweih wird jedes Jahr abgeworfen und dann neu gebildet, Größe und Stärke der Geweihstangen hängen dabei vom Alter, dem Nahrungsangebot und der genetischen Veranlagung ab. Der Jäger spricht von 10, 12 oder gar 16 Endern und zählt dabei die Geweihspitzen. Das Kleid (Fell) der Tiere ist dunkel grau-braun gefärbt und verändert sich im Winter in der Farbe nicht, es wird lediglich dicker. Auffällig ist jedoch ihr Hinterteil mit dem hellen "Spiegel", wie die Jäger sagen.

Das Rotwild zählt wie auch das Damwild zu den Wiederkäuern. Es verbringt den größten Teil des Tages mit der Nahrungsaufnahme und Verdauung. Durch das Durchwandern der Nahrung durch die 4 Mägen und das periodische Hervorwürgen der halbverdauten Nahrung benötigt das Rotwild ausreichende Ruhezeiten zwischen den einzelnen Nahrungsaufnahmen, damit der Verdauungsprozess optimal abgeschlossen werden kann.

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Rotwild nimmt täglich je nach Bedarf acht bis zwanzig Kilo Grünfutter auf. Hoher Nahrungsbedarf besteht, wenn die weiblichen Tiere trächtig sind bzw. ihre Kälber säugen. Die Hirsche fressen gern und viel, besonders, wenn sie nach Abwurf ihres Geweihs Ende April/Mai neue Stangen herausschieben.

Ihre Nahrung besteht je nach Jahreszeit und Verfügbarkeit aus Gräsern, Kräutern, Eicheln, Bucheckern, Kastanien, Obst und Gemüse aller Art, Pilzen, Moosen, Flechten, Heidekraut, junge Knospen von Bäumen und Sträuchern, gern auch aus zarten Raps und Rübenpflanzen. Da in den Baumrinden viele Mineralien enthalten sind, knabbern die Hirsche mit Vorliebe daran oder schälen oft ganze Bäume. Im Gehege kann man an den Bonsai – artigen Buchenbeständen sehen, was der Wildverbiss anrichten kann.

Weiterer Baumschaden entsteht, wenn der Hirsch im Frühsommer beginnt, den Bast, die stark durchblutete Schutzschicht des heranwachsenden Geweihs, "zu fegen". Dies tut er an allen erreichbaren Ästen und Zweigen. Durch die Pflanzensäfte erhält sein Geweih die dunklere Farbe.

Die Paarungszeit des Rotwildes - ihre Brunftzeit - verläuft etwa zwischen Mitte September und Mitte Oktober, je nach Witterung, denn die ersten herbstlichen Kälteeinbrüche wirken auf die Tiere anregend. Die Hirsche vertreiben dann gern mögliche Rivalen und locken mit lautem Röhren und groteskem Imponiergehabe die weiblichen Tiere zur Paarung an.

Die Tragezeit der Tiere beträgt 34 Wochen und dauert damit den gesamten Winter hindurch bis etwa Mitte Mai - Mitte Juni an. Sind die Kälber dann gesetzt (geboren), bleiben sie eine ganze Zeit im Gelände vor möglichen Fressfeinden verborgen. Sie werden nur zur Säugung aufgesucht. Erst, wenn die Kälber dem Muttertier gut folgen können, zeigen sie sich.

Das Rotwild ist wesentlich scheuer und ruhebedürftiger als das Damwild und lebt daher im Wildpark Malente in einem großzügigen Gatter. Mit etwas Ruhe und Geduld lassen sich aber auch diese Tiere gut beobachten und mit artgerechten Leckerbissen wie z.B. Äpfeln, Kastanien oder ähnlichem anlocken.