Farben der Fruchtfolge
Ende April und Anfang Mai leuchten Rapsfelder gelb, Wintersaaten hell- oder dunkelgrün, während Mais- und Kartoffeläcker noch braun bleiben. Durch die Fruchtfolge verändert sich dieses Muster jedes Jahr.
Aussichtspunkt auf dem fast 90 Meter hohen Holzberg
Über den Baumwipfeln öffnet sich der Blick auf Seen, Wälder, Knicks, Felder und die sanfte Hügellandschaft der Holsteinischen Schweiz.
Wald von oben erleben
Der Holzberg liegt an der Landstraße zwischen Neversfelde und Malente. Seine Höhe macht ihn seit mehr als 110 Jahren zu einem besonderen Aussichtspunkt.
Seit 2020 steht auf der Kuppe ein 32 Meter hoher Aussichtsturm aus Stahl. Kurze Treppenabschnitte und Zwischenplattformen machen den Aufstieg angenehm und immer wieder lohnend.
Oben zeigen sich die Holsteinische Schweiz, die Seenlandschaft und bei klarer Sicht sogar markante Punkte Richtung Kiel und Ostseeküste.
Schautafeln am Turm erzählen vom Leben der Bäume, von den Wurzeln bis zur Krone, und machen den Ort auch für Familien spannend.
Die Aussicht
Von den Plattformen schaut man auf Wasserflächen, Moränen, Waldstücke, Äcker, Wiesen und Weiden. Viele dieser Flächen sind noch von Knicks, den typischen Wallhecken, eingefasst.
Die Hügellandschaft entstand durch Gletschervorstöße und prägt bis heute den kleinteiligen Naturraum rund um Malente, Plön und Eutin.
Der Turm erhebt sich auf einer bewaldeten Moränenkuppe, die stellenweise steil abfällt. Dadurch wirkt der Blick nicht wie eine einzelne Aussicht, sondern wie ein Rundgang durch verschiedene Landschaftsräume.
Bei klarer Sicht entdeckt man im Norden den Fernsehturm in Kiel und im Süden die Hotelhochhäuser von Timmendorf und Travemünde an der Ostsee.
Auf dem Turm gibt es außerdem ein Fernrohr, das für 1 Euro genutzt werden kann.
Landschaft im Wandel
Ende April und Anfang Mai leuchten Rapsfelder gelb, Wintersaaten hell- oder dunkelgrün, während Mais- und Kartoffeläcker noch braun bleiben. Durch die Fruchtfolge verändert sich dieses Muster jedes Jahr.
Die Wallhecken gliedern die Landschaft, schützen vor Wind und schaffen wertvolle Lebensräume für Vögel, Insekten und Kleinsäuger. Sie machen sichtbar, wie kleinteilig der Naturraum früher genutzt wurde.
Blühende Ackerrandstreifen, natürliche Gewässerränder und wiedervernässte Bereiche bringen Artenvielfalt zurück in die Kulturlandschaft. Kraniche und Seeadler zeigen, wie lebendig diese Räume wieder werden können.
Zwischen 1960 und 1970 wurde auch rund um Malente großräumig Flurbereinigung durchgeführt. Knicks wurden entfernt, Flächen zusammengelegt, Gewässer begradigt, flache Gewässer trockengelegt und Sölle zugeschüttet. Das erleichterte die Bewirtschaftung mit großen Maschinen, hatte aber Folgen für Böden, Wasserhaushalt und Artenvielfalt.
Heute wird an vielen Stellen gegengesteuert. Gewässer erhalten wieder natürliche Randstreifen, Wehre werden entfernt, kleine Seen entstehen durch Aufstau neu. So erzählt die Aussicht vom Holzbergturm nicht nur von Schönheit, sondern auch davon, wie Landschaft genutzt, verändert und wieder behutsamer behandelt wird.
Seit 1908 Aussichtspunkt
1900 bis 1918
Schon um 1900 entstand der Plan, auf dem Holzberg einen Turm zu bauen. 1906 wurde der Grundstein gelegt. Obwohl zunächst ein Steinturm vorgesehen war, entstand schließlich ein Holzturm mit 150 Stufen und Aussichtsplattform.
Am 28. Juni 1908 wurde der Bismarckturm eröffnet. Bereits etwa zehn Jahre später wurde er wieder abgebrochen, weil die Instandhaltung zu aufwendig war.
1997 bis 2016
Fast 90 Jahre später beschloss der Neversfelder Verschönerungsverein, wieder einen Aussichtsturm auf dem Holzberg zu errichten. Am 17. September 2004 wurde der Grundstein gelegt, innerhalb eines Jahres wurde der Turm gebaut.
90 Kubikmeter Beton bildeten das stabile Fundament, auf dem auch der heutige Stahlturm steht. Die Konstruktion aus starken Lärchenbalken musste jedoch gesperrt und 2016 abgebaut werden, weil Holzfäule Teile der Balken befallen hatte.
Seit 2020
Der erste Holzbergturm war eine große Touristenattraktion. Deshalb gab der Verschönerungsverein Neversfelde e.V. den Gedanken an einen neuen Turm nicht auf.
Schließlich sprang der Förderverein Dorf und Natur in Malente e.V. ein und übernahm Planung und Bauträgerschaft für den neuen Turm aus Stahl. Seit dem 2. Mai 2020 kann der 32 Meter hohe Aussichtsturm wieder bestiegen werden.
Finanzierung und Unterstützung
Die Gesamtkosten von rund 300.000 Euro konnte der Förderverein Dorf und Natur in Malente e.V. nicht allein stemmen. Viele Vereinsmitglieder unterstützten das Projekt intensiv mit ehrenamtlichen Arbeitseinsätzen.
Ein Großteil der Kosten, nämlich 200.000 Euro, wurde von der Dörte-und-Kay-Cornils-Stiftung übernommen. Weitere Unterstützung kam von der Aktiv Region Schwentine-Holsteinische Schweiz, aus dem Leader-Programm, von der Bingo! Umweltlotterie und von der Gemeinde Malente, die sich an den Unterhaltungskosten beteiligt.
Konstruktion
Der heutige Turm ist eine 32 Meter hohe Stahlgerüstkonstruktion aus rund 2.500 Einzelteilen. Insgesamt wiegt der Turm 35 Tonnen, allein die Aussichtsplattform bringt acht Tonnen auf die Waage.
Die Firma Meyer Stahlbau in Neustadt in Holstein hat den Turm konstruiert, die Einzelteile gefertigt und anschließend montiert. Auf dem Fundament des Vorgängerturms wurde zunächst der erste Treppenabschnitt verankert.
Etage für Etage wuchs die Konstruktion mit Hilfe eines Lastenkrans in die Höhe. Ganz oben wurde die Aussichtsplattform mit Dach montiert. Kurze Treppenabschnitte mit Zwischenplattformen erleichtern heute den Aufstieg.
Besonderer Ort
Neben dem Holzbergturm liegt ein schöner Picknickbereich. Er macht den Ort nicht nur zu einem Ziel für Spaziergänge und Ausflüge, sondern auch zu einem besonderen Platz für Eheschließungen.
Die Gebühr beträgt 250 Euro. Termine können über das Standesamt Malente gebucht werden.
Zum Standesamt Malente
Live vom Holzbergturm
Wer nach den Eindrücken von Turm, Geschichte und Landschaft den aktuellen Blick sehen möchte, findet auf der Panoramakamera-Seite den 360-Grad-Ausblick vom Holzbergturm.
Anfahrt
Der Holzbergturm liegt bei Neversfelde in 23714 Malente.